WB | Sollenau | Munitionsfabrik Böhler 1914 | heute ehem. Almeta-Gelände

Fährt man von Sollenau gegen Blumau – Neurisshof, sind kurz nach der Ortsausfahrt linkerhand mehrere ältere Industrieobjekte zu erkennen. Markant sind mehrere hier befindliche unbeschrankte Werksgleisübergänge. Am Gelände des ehemaligen Metallumschmelzwerkes ALMETA befinden sich die einst medial breitgetretenen asbestbelasteten Personenwaggons der ÖBB zum Abwracken…siehe und hier (sehr schöne Fotos).

Die ursprüngliche Nutzung des Geländes erfolgte ab 1905 durch die Gebr. Böhler AG. Es wurde Munition erzeugt. Verortung folgt.

Im Folgenden eine zeitgenössische Werksdarstellung, aus der auch die oben stehenden interessanten und seltenen Fotos stammen [1]:

„Munitionsfabrik Sollenau.

In unmittelbarer Nähe der k.u.k. Pulverfabrik Blumau und des k.u.k. Artillerie-Schießplatzes am Steinfelde gelegen, befindet sich die Böhler’sche Munitionsfabrik in Sollenau.

Diese Anlage ist anfangs 1905 streng nach den diesbezüglich bestehenden Vorschriften erbaut worden; alle Objekte sind elektrisch beleuchtet. Die Munitionsfabrik ist auf regelmäßigen Nachtbetrieb eingerichtet.

Die Anlage liegt knapp an der Trace der Militär-Schleppbahn, in welche auch das Fabriksgeleise einmündet. Der Zu- und Abschub der Materialien ist daher der denkbar sicherste.

Das Etablissement besteht aus nachfolgenden Objekten:

a)      einem Wohn- und Administrationsgebäude,

b)      zwei Depoträumen von je 100 m Länge und 9m Breite

c)      einem Handpulvermagazin (Pulverturm),

d)      einem 75 m langen und 9m breiten Laborier-Objekt, in welchem sich der 50 m lange Laboriersaal befindet.

Die Leistungsfähigkeit für verschiedene Munition sei nur dadurch illustriert, dass durch längere Zeit eine Tagesleistung von 3000 Stück 7,6 cm-Schnellfeuergeschütz – Patronen erzeilt wurde.“

Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Werk für die Friedensproduktion adaptiert und darin Werkzeug hergestellt [2]. Heute sind die Gleisanlagen und ein Teil der alten Bausubstanz noch vorhanden. Ein Besuch lohnt sich, schöne Architektur und für Eisenbahnfreunde oder Schleppbahnfans ist Sollenau ohnehin ein Mekka. Übrigens wurde das Werk namensgebend für diesen Teil der Gemeinde Sollenau (Böhler).

Quellen:

[1] Gebr. Böhler&Co AG Wien-Berlin (Hrsg., 1914): Die Erzeugungsweise von Böhler-Stahl und die Betriebsverhältnisse in den gesellschaftlichen Werks-Anlagen mit einer Schilderung der Erzeugnisse und der geschäftlichen Organisation. 5. Auflage, Selbstverlag,  55ff

[2] http://books.google.at/books?id=jBJlAwweyNYC&pg=PA58&lpg=PA58&dq=munitionsfabrik+b%C3%B6hler+sollenau&source=bl&ots=5i9pl8bWMS&sig=v-QQ2myp5ncwgy97dTVIASHGFOA&hl=de&ei=yD3pTMC1DY_6sgbCyaGPCQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CCoQ6AEwAg#v=onepage&q=munitionsfabrik%20b%C3%B6hler%20sollenau&f=false, Seite 60

Fotos 2008 MM.

WB | Wöllersdorfer Werke – Metallwarenfabrik, Glashütte 1922, MABA

Das Gelände der späteren Wöllersdorfer Werke war ab 1815 als „Feuerwerksanstalt“ für die Forschung, Entwicklung und Produktion an/von Sprengstoff genutzt und spielte im 1. Weltkrieg eine wichtige Rolle. Es bestand damals aus mehr als 600 Objekten und einem sehr langen werksinternen Schienennetz (Normal- uind Schmalspur).

Nach dem 1. Weltkrieg waren die ehemaligen Produktionsstätten bald großteils verlassen.

Größtenteils heißt nicht völlig. Wir können der geschätzten Leserschaft zwei große Raritäten bieten:

  • Einen undatierten Produktekatalog über landwirtschaftliche Maschinen und Geräte der Wöllersdorfer Werke aus der frühen Zwischenkriegszeit, ca. 1920. – Eigentum Schlot-Archiv
  • Aus der Glashütte der Wöllersdorfer Werke: Glasblock 140x104x16 mm in Kobaltblau, gegossen aus der ersten Schmelze im April 1922. Eigentum Schlot-Archiv

Die Firma MABA nutzt Werksteile des Geländes bereits seit 1924 [2], damals als „Österreichische MABA – Unternehmung  –  Barthels und Schlarbaum“ [3] .

Von 1933 bis 1938 dienten Teile  des ehemaligen Geländes der Wöllersdorfer Werke dem austrofaschistischen Regime Österreich als „Anhaltelager Wöllersdorf“. Hier wurden Regimegegner aller Couleurs interniert.

Im 2. Weltkrieg diente das Gelände als Luftwaffenstützpunkt. Nach einem alliierten Bombardement 1944 und der weitgehenden Zerstörung des Geländes durch selbiges und Sprengungen der deutschen Truppen Anfang 1945 verfiel das danach sowjetisch verwaltete Gelände zusehends.

Das Schalthaus des ehem. Kraftwerks ist architektonisch wertvoll. Es wurde von Ludwig Müller, einem Schüler Otto Wagners, geplant [2] und wird heute durch die Fa. Maba nachgenutzt.  Alles Weitere in unserer Quelle [1].

Quellen:

[1]  http://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%B6llersdorfer_Werke

[2] MAUTHE, Ph., TRUMLER, G. (1986): Niederösterreich | Portrait einer Industrielandschaft. 1. Auflage, Verlag Niederösterreichisches Pressehaus; St.Pölten-Wien. 86ff

[3] MABA – Geschichte, 05.01.2011

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WU | Schwechat | UNION Lederwerke A.G.

Hochwasser, vermutlich 1930er Jahre, im Bereich der ehemaligen Union-Lederwerke A.G.,. Infos aus Industrie-Compass 1925/26, 1277:

  • „Union Lederwerke A.G. (1918):

Erz.: Sohlen- und Brandsohlenleder, Chromleder […]“. Im Compass 1959 nicht mehr nachweisbar.  Der Nachweis einer Lederfabrik in Schwechat im Bereich der heutigen Wege/Straßen“Gerberweg“ und „Lederfabriksstraße“ und die Einzeichnung einer Chromlederfabrik ebendort in einem amtlichen Wiener Stadtplan aus der Zwischenkriegszeit führten zu unserer Verortung in der schlot_map. Flohmarktfund 2009. Eigentum MM

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Korksteinfabrik | MD | Mödling

Fotos

Korksteinfabrik | MD | Mödling Korksteinfabrik | MD | Mödling Korksteinfabrik | MD | Mödling Korksteinfabrik | MD | Mödling

Über den Betrieb

Branche:
Betriebsdauer:
Produkte:
Status:
Literatur: COMPASSVERLAG (1925): Industrie-Compass 1925/26 Band I Österreich; Compassverlag, Wien. 2312S

Weitere Infos

Die alte Korkstein-Fabrik in Mödling ist noch eine der gut erhaltenen Industriegebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende.

Gegründet 1897 von den beiden Partnern Kleiner und Bokmayer wurde der Architekt Erwin Stein mit der Errichtung des Gebäudes beauftragt, welches 1898 fertiggestellt wurde.

Hergestellt wurden Korkartikel, die im Bauwesen für Isolierungen benutzt wurden.
Später wurde die Firma in Korksteinfabrik AG umbenannt.

Aus einer Biographie von Josef Deutsch (der dortige Prokurist) geht hervor, dass die Fabrik bis 1960 noch in Betrieb war.

Heute ist der Betrieb in der Fabrik leider eingestellt.

Quelle: bei geocaching.com
Über Josef Deutsch: bei parlament.gv.at

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Baumwollspinnerei Seutter & Co | WB | Eggendorf

Fotos

Über den Betrieb

Baumwollspinnerei und Zwirnerei Seutter & Co (1959)

heute Borckenstein Textil

Branche: Textilindustrie
Betriebsdauer: 1861-laufend als Fa. Borckenstein
Produkte: Gewebe, Zwirn (1926 noch Bleicherei)
Ausstattung 1959 (1925):

  • 22.832 (24.000) Spindeln (Spindeln und Vorwerke)
  • 4.482 (6.000) Zwirnspindeln
  • (500 Arbeiter)
  • (Wasserkraft, Elektr. Energie, Dampfkraft ca. 1.000 PS)

Literatur:

  • COMPASSVERLAG (1959): Industrie-Compass 1959 Österreich; Compassverlag, Wien. S 1286
  • Compass-Verlag (1925): Industrie-Compass 1925/26, Band I Österreich, S  1464


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Bleiwarenfabrik Gumpoldskirchen AG | MD | Gumpoldskirchen

Fotos

Wr. Neustädter Kanal | MD | Guntramsdorf Wr. Neustädter Kanal | MD | Guntramsdorf Wr. Neustädter Kanal | MD | Guntramsdorf

Über den Betrieb

Bleiwarenfabrik Gumpoldskirchen AG

Branche: Eisen- und Metallverarbeitung
Betriebsdauer: 1851|1935 – nach 1970

Produkte: Bleirohre, Bleibleche, Bleiarmaturen, Bleifolien, Verbleiungen, Zinnrohre, Lötzinn, Plomben, Bleifarbe „Subox“.

Ab 1950er Jahren auch Kunststoffe: Formstücke, Rohrleitungen, techn. Hilfsmittel aus PVC

Höchstzahl gleichzeitig bestehender Schlote: 1 (2007)

Literatur: Compass 1959, 908

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